Wo immer man seit einigen Sommern ans Wasser kommt: SUP – oder Stand-up-Paddling – ist fester Bestandteil der Szenerie. Auch die Yogapraxis auf den schwimmenden Brettern wird immer beliebter. Yvonne Stolz von Apura Yoga erklärt uns, wie das geht.

Von yvonne stolz

Die Morgensonne strahlt golden und das Meer liegt spiegelglatt vor mir. „Glassy“ nennen die Surfer das, wenn hier in Portugal ausnahmsweise mal kein Wind weht und das Wasser zu purem Quecksilber zu werden scheint. Glasklar, türkisblau, nicht ein Kräuseln an der Oberfläche. Selten, diese Tage – und atemberaubend schön.

SUP-Boards gibt, werden mittlerweile Kurse angeboten – sogar in Großstädten wie Hamburg, Berlin oder München.
Ursprünglich stammt Stand-up-Paddle-Boarding genau wie das Wellenreiten aus Hawaii. Dort wurde es wahr- scheinlich schon vor der Kolonialisierung der Inseln prak-
tiziert. In den 1940er-Jahren haben hawaiianische Surf-

Die einzigen Geräusche sind das plätschernde Eintau- chen der Paddel im Wasser und das sanfte Rauschen unter den rasch dahingleitenden Stand-up-Paddle-Boards. Vor- bei am Yachthafen geht es westlich von Lissabon an der malerischen Küste von Cascais entlang. Die Luft riecht nach Salz und „Maresia“, Algen und Seetang, freigelegt von der ablaufenden Flut. In einer idyllischen Bucht ver- täuen wir unsere Boards miteinander und starten unse- re Yogapraxis auf dem Wasser. Jede Bewegung auf den 8 bis 12 Fuß langen Brettern löst eine Gegenbewegung des Wassers und des Boards aus. Das ist anfangs irritie- rend, aber schon bald entsteht ein ganz neues Bewusst- sein für Balance, Stabilität und Symmetrie in den Asa- nas. Ganz nebenbei schult das auch die Feinmotorik und kräftigt die Haltemuskulatur. Nicht nur der Beckenboden und tief liegende Schichten der Bauch- und Rückenmus- kulatur sind dabei im Einsatz. Man spürt auch, wie tiefe Muskelschichten in den Beinen, am Kniegelenk und in anderen Körperpartien arbeiten. Es entsteht eine präzise Wahrnehmung darüber, wie man in einer Yogahaltung Stabilität schafft, sowohl in der Arbeit mit dem eigenen Körper, als auch im Hinblick auf die Position des Körpers im Raum – oder vielmehr auf dem Board.
Ob es nun diese Effekte sind, die SUP-Yoga für viele so reizvoll machen, oder eher das Hawaii-Surfer-Feeling, sei mal dahingestellt. In jedem Fall hat die Praxis seit dem ersten Bericht im YOGA JOURNAL vor zwei Jahren einen ziemlichen Boom erlebt. Nicht nur in Urlaubsregi- onen, sondern eigentlich überall, wo es Gewässer und

lehrer die Technik wiederentdeckt, als sie auf dem Board stehend ihre Surfschüler und ankommende Wellen besser im Blick halten wollten. Weltweit bekannt wurde SUP, als die Surf-Legende Laird Hamilton Anfang der 2000er-Jah- re das „Stehpaddeln“ für sich entdeckte. Hamilton prak- tiziert, wie viele andere professionelle Wellenreiter, Yoga. Wer nun die Kombination SUP und Yoga entwickelt hat, bleibt Spekulation. Mehrere Yogis nehmen das für sich in Anspruch, aber vielleicht war es einfach so naheliegend, dass sie alle unabhängig voneinander damit begannen. Dabei kann Yoga dem klassischen Stand-up-Paddle-Boar- der helfen, seine Balance und Beweglichkeit zu erhöhen und das Verletzungsrisiko zu senken. Umgekehrt ist es für Yogis und Yoginis eine Inspiration und Erweiterung des Erfahrungshorizonts: raus aus dem Studio, rauf aufs Wasser und aufbrechen zu neuen Ufern!
„Das Gefühl, in der Natur zu sein, den Horizont im Blick und die sanften Bewegungen des Wassers unter mir: Da kann ich abschalten und Energie tanken“, schwärmt Na- dine, eine Teilnehmerin unseres letzten SUP-Retreats.
„Außerdem kommt man bei SUP-Yoga in den Spielmo- dus: Wie ein kleines Kind probiert man immer Neues aus. Dabei fällt man auch mal ins Wasser – im wahrsten Sinne des Wortes: erfrischend!“//

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